Meldung vom 23.11.2016 13:53:39
Vorbildliche Denkmalpflegeprojekte in Barbing, Nittendorf und Hemau: Der Landkreis verlieh feierlich den Denkmalschutzpreis 2016
Regensburg (RL). Der mit insgesamt 6.000 Euro dotierte Denkmalschutzpreis des Landkreises Regensburg ging in diesem Jahr an private Bauherren, die drei erhaltenswerte Baudenkmäler im Regensburger Land zu neuem Glanz erweckten: die Burgkapelle St. Oswald Auburg, ein Wohnhaus im Thumhausen und das Alte Post- und Verstärkeramt Hemau. Die Preisträger Robert Gerl, Dr. Daniela Urmann und Dr. Karl Ulrich Kratzer erhielten die Geldpreise in Höhe von 3000 Euro, 2000 Euro und 1000 Euro, eine Urkunde sowie eine Wandtafel zum Anbringen an das Gebäude. Die Siegerehrung nahmen stellvertretender Landrat Willi Hoger, Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer und Antonia Hager als Vertreterin der Unteren Denkmalschutzbehörde vor.

Der stellvertretende Landrat Willi Hogger, die Vertreterin der Unteren Denkmalschutzbehörde Antonia Hager (2.v.re) und der Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer (4.v.re) mit den Preisträgern des Denkmalschutzpreises 2016: Andrea und Robert Gerl (1.u.2.v.li), Dr. Daniela Urmann (3.v.li) mit Michael Hofmeister (5.v.li) und Dr. Karl Ulrich Kratzer (4.v.li).
Der stellvertretende Landrat Willi Hogger, die Vertreterin der Unteren Denkmalschutzbehörde Antonia Hager (2.v.re) und der Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer (4.v.re) mit den Preisträgern des Denkmalschutzpreises 2016: Andrea und Robert Gerl (1.u.2.v.li), Dr. Daniela Urmann (3.v.li) mit Michael Hofmeister (5.v.li) und Dr. Karl Ulrich Kratzer (4.v.li).

Erstmalig im Jahr 2006 und insgesamt bereits zum fünften Mal waren private Bauherren aufgerufen, ihre in den letzten fünf Jahren sanierten Baudenkmäler in der Region zum Wettbewerb anzumelden. Aus den 12 eingesandten Vorschlägen zog die zwölfköpfige, aus Politikern und Fachleuchten aus den Bereichen Architektur, Denkmal- und Heimatpflege bestehende Jury fünf Objekte in die engere Wahl. Nach einer Ortsbesichtigung und intensiver Beratung wurden schließlich drei besonders anerkennenswerte denkmalpflegerische Bauvorhaben prämiert. Die Bauherren überzeugten nach Ansicht der Jury sowohl durch ihr Feingefühl für den Charakter des jeweiligen Objekts, ihren Idealismus und ihr Engagement, als auch durch ihre Bereitschaft, sich in vorbildlicher Art und Weise fachlich beraten zu lassen.

Die immense Bedeutung solcher Initiativen für den Erhalt des typischen Erscheinungsbildes der heimatlichen Ortschaften betonte der stellvertretende Landrat Willi Hogger in seiner Begrüßungsrede. „Das bauliche Erbe als wesentliches Element unserer Kultur ist ein Grundstein unserer Identität“. Speziell in den Zeiten der „dauernden Veränderungen in so vielen Bereichen“ schaffe zudem die „Erhaltung von Bekanntem und Vertrautem ein gewisses Maß an Sicherheit und Geborgenheit“, so Hogger.

Trotz des denkmalpolitischen Umdenkens in den 1950er und 1960er Jahren und der Erhebung des Denkmalschutzes in den Verfassungsrang 1973 schwinde die Zahl der Baudenkmäler in Bayern immer noch rasant, gab der Kulturreferent des Landkreises Dr. Thomas Feuerer in seiner Eröffnungsrede zu bedenken. Besonders gefährdet sei dabei der ländliche Raum. Der 2006 ins Leben gerufene Denkmalschutzpreis des Landkreises Regensburg sei vor diesem Hintergrund ein wichtiges Instrument zur Umsetzung des allgemeinen Verfassungsauftrags und zur Förderung einer lebendigen Regionalität.

1. Preis: Burgkapelle St. Oswald Auburg
Dank des Engagements des Eigentümers Robert Gerl und der Mitglieder des eigens dafür gegründeten Förderkreises „Freunde der Auburg“ konnte die von Verfall bedrohte Kapelle St. Oswald Auburg in der Gemeinde Barbing gerettet und behutsam instand gesetzt werden. In ihrer Laudatio lobte Antonia Hager die in jeglicher Hinsicht vorbildliche Konservierung des aus dem Jahre 1715 stammenden Gebäudes. Mit Unterstützung der Architektin Monika Dietrich gelang es, „den besonderen Charme des einstigen Sakralbaus zu bewahren“ und das für die Barbinger Ortsgeschichte zentrale Baudenkmal für die Nachwelt zu erhalten. Die Jury prämierte diese gemeinschaftliche Leistung, welche ohne jegliche kommerzielle Erwartungen erfolgte, mit dem mit 3000 Euro dotierten 1. Preis.

2. Preis: Wohnhaus Thumhausen
Der mit 2000 Euro dotierte 2. Preis ging an das zu Wohnzwecken „wiederbelebte“ 150 Jahre alte Wohnhaus im Ortskern von Thumhausen (Markt Nittendorf). Die Nittendorfer Zahnärztin Dr. Daniela Urmann, so Laudator Dr. Thomas Feuerer „verliebte sich auf Anhieb in die urtümliche, leer stehende Hofstelle und ließ sie unter Verwendung alter Handwerkertechniken und originalen Baumaterialien renovieren. Entstanden ist ein in seiner Bescheidenheit charmantes, weitgehend authentisch anmutendes Dorfhäusl, welches den Betrachter in die vergangene Zeiten versetzt.“Vorbildlich sei in diesem Falle, auch die „besonders gelungene Synthese aus Alt und Neu“, denn der Erhalt der Denkmalsubstanz erfolgte unter Berücksichtigung moderner Wohnansprüche.

3. Preis: Altes Post- und Verstärkeramt Hemau
Mit dem mit 1000 Euro dotierten 3. Preis wurde das Alte Post- und Verstärkeramt in Hemau ausgezeichnet. Dem Bauherrn Dr. Karl Ulrich Kratzer sei es zu verdanken, dass das ortsbildprägende expressionistische Baudenkmal nicht nur mit hoher Qualität instand gesetzt, sondern zugleich auch einer neuen nachhaltigen und zukunftsweisenden Nutzung zugeführt wurde. Das alte Postgebäude von 1927 wurde in eine „liebevolle Betreuungseinrichtung mit Tagespflege, Wohngruppen, Seminarraum und Sanitätshaus“ umgewandelt. Auf diese Weise erhielten „Senioren sowie blinde und schwerbehinderte junge Menschen ein neues Zuhause“, betonte anerkennend die das Projekt von Anfang an begleitende Laudatorin Antonia Hager.

An der feierlichen Verleihung am 18. November im Gasthaus Geser in Sarching nahmen nicht nur die Bauherren mit ihren Familien, welche die Vorhaben in starkem Maß mitgetragen haben, teil. Anwesend waren neben den Jurymitgliedern und den zuständigen Bürgermeistern Johann Thiel (Barbing), Helmut Sammüller (Nittendorf) und Johann Pollinger (Hemau) auch die beteiligten Architekten und viele ausführende Handwerker. Auch für sie war es eine Stunde der Anerkennung, in der ihr Können und ihre Bereitschaft, alte Baumaterialien aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken und die fast vergessenen, oft viel arbeitsintensiveren Bautechniken anzuwenden, gelobt wurden.

Gelebte Regionalität zelebrierte an dem Abend auch die Musikgruppe „Adebai“, die durch einem Hauch von Swing und Jazz der bayerischen Volksmusik auf wunderbar leichte und eingängige Weise einen neuen Anstrich verpasste und so für die stimmige Umrahmung der Veranstaltung sorgte.

Hintergrund:
Beim Denkmalschutzpreis des Landkreises Regensburg handelt es sich um eine im Jahre 2006 vom Kulturausschuss des Kreistages ins Leben gerufene Auszeichnung für beispielhafte denkmalpflegerische Leistungen, die Privatpersonen zur Erhaltung und Pflege ihres Eigentums erbracht haben. Seit 2006 wurde der Wettbewerb fünfmal ausgelobt. Mit der Verleihung dieses Preises soll privates Engagement der BürgerInnen des Landkreises Regensburg im Bereich der Denkmalpflege sowohl geweckt als auch gewürdigt werden. Der Jury des Denkmalschutzpreises 2016 gehören neben ihrem Vorsitzenden, dem stellvertretenden Landrat Willi Hogger, die Kreisrätinnen und Kreisräte Petra Lutz, Dr. Eva Schropp, Wolfgang Gruber, Erich Dollinger, Alois Dürr, Richard Wild und Johann Jeserer sowie Fachleute in den Bereichen Architektur, Denkmal- und Heimatpflege, Antonia Hager, Kreisbaumeisterin Dipl.-Ing. Architektin Urte Kelm, Dipl.-Ing. Architekt Günter Naumann, Kreisdenkmalpfleger Peter Lutz, Oberkonservator Dr. Michael Schmidt und Kulturreferent Dr. Thomas Feuerer an. Der für den Landkreis Regensburg zuständige Gebietsreferent Oberkonservator Dr. Michael Schmidt als Vertreter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege konnte aus terminlichen Gründen zwar nicht persönlich an den Jurysitzungen teilnehmen, war aber beratend in die Entscheidungsfindung eingebunden.