Meldung vom 06.04.2017 09:51:21
78. Plenumssitzung des Suchtarbeitskreises Regensburg - Legale Substanz Alkohol bleibt das wichtigste Problem
Regensburg (RL). Alkohol stellt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Suchthilfe und –prävention unverändert die größte Herausforderung dar. Gemessen an der Zahl der Gesamtkonsumierenden steht Alkohol an erster Stelle bei den legalen Substanzen. Bei den illegalen Substanzen ist der Konsum von Cannabis zahlenmäßig ganz vorn. Zu dieser Erkenntnis kamen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der 78. Plenumssitzung des Suchtarbeitskreises Regensburg im Landratsamt, die unter dem Thema „Epidemiologie – Zahlen und Fakten zum Substanzkonsum“ stand. Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel, Diplompsychologe am Institut für Therapieforschung (IFT) München, gab dabei in seinem zweistündigen Referat vor rund 90 Fachleuten einen umfassenden Überblick zum Substanzkonsum.

Helga Salbeck, stellvertretende Vorsitzende des Suchtarbeitskreises, und Referent Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel.
Helga Salbeck, stellvertretende Vorsitzende des Suchtarbeitskreises, und Referent Dr. Tim Pfeiffer-Gerschel.

Seinen Worten zufolge seien im Bereich des Tabakkonsums in den letzten zehn Jahren positive Veränderungen zu beobachten. So hätte etwa die Auswertung der Frage, wie viele Jugendliche in Bayern in den letzten 30 Tagen geraucht haben, ergeben, dass sich die Anzahl im Zeitraum von 2003 bis 2015 von ursprünglich 45 auf 25 Prozent verringert habe. Im Bereich des Alkoholkonsums sei dieser positive Trend hingegen nicht gegeben. Hier hätten immer noch 69 Prozent der befragten Jugendlichen angegeben, in den letzten 30 Tagen Alkohol konsumiert zu haben. Laut Dr. Pfeiffer-Gerschel sei beim Tabakkonsum interessanter Weise ein relevanter Zusammenhang zur Schulbildung zu beobachten: „Aktuell geben 38 Prozent der Befragten an den Mittelschulen und nur 18 Prozent der Befragten am Gymnasium an, in den letzten 30 Tagen geraucht zu haben.“ Bei Alkohol spiele dies hingegen keine Rolle.

Beim Konsum von illegalen Substanzen sei Cannabis die am weitesten verbreitete Substanz. Hier würden Studien belegen, dass der Konsum nach einem Rückgang in den letzten Jahren mittlerweile wieder ansteige und sich heute auf dem gleichen Niveau befinde wie vor zehn Jahren. So habe 2015 in Deutschland etwa jeder zehnte Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren (9,7 Prozent) mindestens einmal Cannabis genommen; 7,3 Prozent in den letzten zwölf Monaten vor der Befragung. Bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren sei der Cannabiskonsum deutlich weiter verbreitet: Ein Drittel (34,5 Prozent) habe Cannabis zumindest einmal ausprobiert und knapp ein Fünftel (15,3 Prozent) in den letzten zwölf Monaten.

Unter den anderen illegalen Substanzen befinde sich der Konsum Neuer Psychoaktiver Substanzen (NPS) - oft als Badesalze oder Ähnliches bezeichnet - auf einem bedenklich hohen Niveau und sei äußerst riskant. Besorgniserregend sei zudem die steigende Anzahl der Todesfälle durch Rauschgift in Bayern (Steigerung von hundert Todesfällen im Jahr 2005 auf 160 im Jahr 2015).

Als Fazit des aufschlussreichen Referats nahmen die teilnehmenden Fachleute der Sitzung die Erkenntnis mit, dass es weiterhin dringend erforderlich sei, gerade in der Tabak- und Alkoholprävention mit zielgerichteten erfolgversprechenden Interventionen bereits bei Kindern und Jugendlichen im Alter von zehn bis 12 Jahren zu beginnen. Der komplette Vortrag ist unter www.suchtinfo-oberpfalz.de  einzusehen.