Meldung vom 07.09.2017 11:11:12
Qualitätszirkel der Hebammen für Regensburg und Umgebung tagte im Landratsamt - Netzwerk beriet über Hilfen für „Teeniemütter“
Regensburg (RL). „Jugendlich und plötzlich Mutter“ – so genannte Teeniemütter waren das Thema eines Fachvortrags, den der Leiter der Erziehungsberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge, Dr. Hermann Scheuerer-Englisch, vor Fachkräften aus dem Gesundheitsbereich im Landratsamt hielt.
Dazu hatte die Koordinierende Kinderschutzstelle (KoKi) zum zweiten Mal in Folge den Qualitätszirkel der Hebammen eingeladen. Diese unterstützen ebenso wie die KoKi-Stelle Schwangere und frisch gebackene Eltern in einem frühen Stadium und kooperieren im Rahmen der Frühen Hilfen eng miteinander.

Hebammen Teeniemütter
Landrätin Tanja Schweiger wies auf die Wichtigkeit einer guten Versorgung von Schwangeren und frisch gebackenen Müttern hin. Mit im Bild die Sozialpädagoginnen von KoKi Tanja Frieser, Eva-Maria Havla und Petra Weiherer-Griesbeck (von links) sowie Referent Dr. Hermann Scheuerer-Englisch.

Landrätin Tanja Schweiger bedankte sich bei den Hebammen für deren Arbeit: „Durch Ihre Tätigkeit leisten Sie einen grundlegenden und sehr wichtigen Beitrag zum gesunden Aufwachsen von Kindern“, so die Landrätin, der eine gute Versorgung von Schwangeren und Müttern im Landkreis sehr am Herzen liegt.

In seinem Vortrag beleuchtete Referent Dr. Scheuerer-Englisch das komplexe Familiengefüge, in dem eine junge schwangere Frau stecken könne. Er betonte, dass diese sich ja selbst oft noch in der Pubertät befinde. In dieser Zeit gehe der Weg eines jungen Menschen eigentlich in Richtung Abstand vom Elternhaus. Gleichzeitig sei aber nun die junge Schwangere verstärkt auf die Unterstützung der eigenen Familie angewiesen. Eine an sich widersprüchliche Situation, die allen Beteiligten viel Fingerspitzengefühl und Fachlichkeit im Dialog mit den jungen Müttern abverlange. Denn es gehe hierbei um junge Menschen, die in ihrem Aufwachsen begleitet werden wollen. Die Altesspanne bei Teeniemüttern sei groß: von einer jugendlichen Mutter könne man vereinzelt bis zu einem Alter von 25 Jahren sprechen. Dies sei der Fall, wenn eine gewisse Reifeverzögerung aufgrund der eigenen Kindheitsgeschichte vorliege.

Den Hebammen gab Dr. Scheuerer-Englisch an die Hand, ihre eigene Grund-Haltung gut zu reflektieren. Die Gesprächsführung mit den jungen Müttern sollte immer von Wertschätzung geprägt sein und möglichst frei von Vorschriften und Bewertungen. Die anschließende Frage- und Diskussionsrunde ermöglichte allen noch einen vertieften Austausch und machte einmal mehr deutlich, wie wichtig dieses Netzwerk für alle Beteiligten ist.

Hintergrund:
Im Landkreis gibt es jährlich zwischen acht und 15 Fälle, bei denen das Jugendamt aufgrund einer minderjährigen Mutter die gesetzliche Vormundschaft für das Baby hat. Ab der Volljährigkeit ist die Mutter dann sorgeberechtigt.