Meldung vom 30.11.2017 12:50:59
Aktiv im Ehrenamt – ein Gewinn für den Betrieb
Regensburg (RL). Wer sich in seiner Freizeit bei Feuerwehren, Hilfsorganisationen oder beim THW einsetzt, kann beim Arbeitgeber mit wertvollen Qualitäten punkten. Um dieses Engagement zu fördern und zu unterstützen, hat das Bayerische Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr die Kampagne „Doppelt engagiert“ zur Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf initiiert. Das Landratsamt Regensburg beteiligt sich daran, hat es doch selbst mit Dietmar Bleistein einen Mitarbeiter in seinen Reihen, der eine solche „Doppelfunktion“ ausfüllt.

Landrätin Tanja Schweiger unterstützt das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter; so auch im Fall von Dietmar Bleistein, der für seinen THW-Einsatz in der Karibik vom Dienst freigestellt wurde. Foto: Landratsamt Regensburg
Landrätin Tanja Schweiger unterstützt das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter; so auch im Fall von Dietmar Bleistein, der für seinen THW-Einsatz in der Karibik vom Dienst freigestellt wurde. Foto: Landratsamt Regensburg

„Ich bin leistungsstark, teamorientiert, arbeite strukturiert und behalte auch in schwierigen Situationen den Überblick“ – so oder ähnlich heißt es in unzähligen Bewerbungen, die täglich auf den Schreibtischen von Personalabteilungen landen. Papier ist bekanntlich geduldig. Aber steckt dahinter wirklich ein fähiger künftiger Mitarbeiter, der sich tatkräftig einsetzt und mitdenkt? Leichter tun sich Entscheider, wenn der Bewerber auf seinen Unterlagen ein Ehrenamt auflisten kann. „Das ist eine Win-Win-Situation für beide“, sagt Dietmar Bleistein, ehrenamtlicher Funktionär beim Technischen Hilfswerk (THW). Der studierte Architekt stieß mit seiner Bewerbung bei der Bauabteilung am Landkreis Regensburg vor knapp drei Jahren auf große Aufgeschlossenheit gegenüber seinem Ehrenamt.

Erprobt in Krisenregionen – Erfahrungsschatz für den Job

Anfang Oktober 2017 war Dietmar Bleistein als THW-Ortsbeauftragter Nabburg auf der Karibik-Insel Dominica unterwegs, um die Folgen der Wirbelstürme Irma und Maria abzuschätzen. Das Landratsamt hat ihn für diese ehrenamtliche Arbeit freigestellt und sein Gehalt weiter bezahlt. Privatwirtschaftliche Arbeitgeber bekommen die Kosten für Mitarbeiter-Einsätze, die in besonderem Maße für das Gemeinwohl von Bedeutung sind, vom Staat erstattet. Dennoch stößt es nicht in allen Betrieben auf Gegenliebe, wenn Teile der Belegschaft während der Arbeitszeit, beispielsweise für die Freiwilligen Feuerwehren, ausrücken müssen.

„Natürlich ist auch das Landratsamt als moderner Dienstleister nicht von Termin- und Effizienzdruck ausgenommen“, sagt Landrätin Tanja Schweiger. „Damit unsere Sachgebiete ihr oft gewaltiges Arbeitspensum bewältigen können, wird jede Hand dort gebraucht.“ Trotzdem hat das außerberufliche Engagement ihrer Belegschaft die volle Unterstützung der Landkreischefin: „Wer in unseren Vereinen und Organisationen mitwirkt, zeigt, dass er auch gesellschaftlich Verantwortung übernimmt.“ Ehrenamtliche bringen wertvolle zusätzliche Fähigkeiten und Kenntnisse in die Betriebe ein, erklärt die Dienstherrin von ca. 600 Mitarbeitenden der Kreisbehörde.

So ist es auch im Fall von Dietmar Bleistein, der als Dienststellenleiter des Ortsverbandes Nabburg rund 85 Aktive koordiniert. Seit 1980 packt er beim Technischen Hilfswerk mit an. Eine umfangreiche Ausbildung hat der heute 52-Jährige im Laufe der Jahrzehnte absolviert für seine Katastropheneinsätze, die ihn unter anderem nach dem Tsunami zum Jahreswechsel 2004/5 nach Südostasien führten und in die Erdbeben-Regionen in Chile, Nepal und Japan. „Eigenbrötler und Starrköpfe kann man da nicht brauchen“, erklärt Bleistein, „da lernt man, sich zurückzunehmen und mit den verschiedensten Situationen umzugehen.“ Nicht zuletzt beim Haiti-Einsatz 2010 hat der Oberpfälzer erlebt, was es heißt, flüchtende Menschen in großer Zahl zu versorgen. Eine Erfahrung, die ihn auch in seiner Tätigkeit am Bauamt bei der Koordinierung der Unterbringung von Geflüchteten zu einem geschätzten Mitarbeiter machte. Und für sein Mitwirken in der Führungsgruppe Katastrophenschutz des Landkreises musste er nicht extra groß geschult werden.

Unterstützung durch Kollegen und Arbeitgeber: „Wir sind stolz auf ihn“

Zum Glück haben nicht nur seine Familie und sein Arbeitgeber, sondern auch die Kollegen Verständnis für Dietmar Bleisteins Engagement. „Wir sind stolz auf ihn“, so die Haltung an den Nachbar-Schreibtischen: „Wir haben gesagt, er soll den Hilfseinsatz nach den Wirbelstürmen machen, unsere Unterstützung hat er.“ Allzu oft will der THW-Funktionär den Kollegen seine Abwesenheit aber nicht zumuten. Viele hundert Arbeitsstunden jährlich leistet er ehrenamtlich in seiner Freizeit. Warum er die Mühe auf sich nimmt? „Ich kenne das so aus meinem Elternhaus. Schon mein Vater war beim Roten Kreuz und bei uns hielt man es nach dem Zitat von Kennedy: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern, was du für dein Land tun kannst.“

Dass es nicht leicht ist, junge Menschen für den selbstlosen Dienst am Gemeinwohl zu gewinnen, weiß Dietmar Bleistein. Er würde es den Unternehmens-Mitarbeitern von morgen trotzdem ans Herz legen: „Weil es eine ganz tolle Teamerfahrung werden kann, die sich über lange Zeit auszahlt. Gerade in Extremsituationen merkt man, wie wichtig, das Miteinander ist, und nicht der Einzelne. Es ist schön, wenn sich daraus Erfahrungen ergeben, von denen man auf Dauer profitiert, und Freundschaften, die fürs Leben halten.“

Das Landratsamt Regensburg beteiligt sich an der Kampagne „Doppelt engagiert“ zur Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf, initiiert vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr. Weitere Informationen dazu gibt es im Internet unter http://www.doppelt-engagiert.de .