Meldung vom 27.06.2014
Flutpolder: Strategiegespräch im Landratsamt mit Prof. Malcherek und Interessensgemeinschaft - Informationsveranstaltung im September geplant
Regensburg. (RL) Zu einem Strategiegespräch lud Landrätin Tanja Schweiger den für den Landkreis tätigen Gutachter Prof. Dr. – Ing. Andreas Malcherek und Vertreter der „Interessengemeinschaft gegen Flutpolder östlich Regensburg“ (IG) ins Landratsamt ein. Dabei bekräftigte sie ihre Überzeugung, dass sie den Bau von Flutpoldern aufgrund der Grundwassersituation sehr kritisch sehe und verwies dabei auch auf die enormen Vorleistungen des Raumes im Zuge des Donauausbaus.

„Die wasserwirtschaftliche Situation an der Donau im östlichen Landkreis stimmt nicht mehr“, schilderte Professor Malcherek die aktuelle Ausgangslage. „Als erstes möchte ich die Grundwassersituation untersuchen und dabei insbesondere auf das im Zuge des Donauausbaus geschaffene Entwässerungssystem eingehen“, betonte Malcherek, der auch überprüfen will, in wie weit die damals planfestgestellten Werte der heutigen Realität entsprechen.

Auch bereits der Bau von Flutpoldern wäre ein Problem
Markus Hörner, Sprecher der IG, brachte eine weitere These in Bezug auf das Grundwasser ins Gespräch. Nicht nur die Flutung eines Polders sei ein Problem, sondern bereits der Bau. Denn die Grundwasserströme würden dadurch zum Teil umgelenkt werden, was Auswirkungen auf die Pegelstände hätte. Man vereinbarte, dass der Landkreis auch untersuchen wird, in wie weit lange Kiesbereiche für einen Polderbau nicht geeignet sind.

Der Barbinger Bürgermeister Hans Thiel, selbst Vorstandsmitglied der IG, erinnerte daran, dass der Region im Zuge des Donauausbaus Hochwasserfreiheit versprochen worden sei. „Mit Flutpoldern hätten wir wieder die Situation wie vor 1985 – da hatten wir zum Teil auch schlimme Hochwässer bei uns“, gab er seiner Sorge Ausdruck. Auch Markus Hörner bleibt skeptisch. Bei der Bereisung des Umweltausschusses des Landtags Anfang Juni ging der Vertreter des Ministeriums davon aus, dass durch den Bau gesteuerter Flutpolder das Grundwasser um einen Meter abgesenkt werden könnte. „Wenn das so einfach wäre, dann könnte schon längst alles im Griff sein – ist es aber nicht“, hegte Hörner deutliche Zweifel an den Aussagen aus München.

Als Zwischenergebnis wurde zur Kenntnis genommen, dass von den ursprünglich vier im Landkreis diskutierten Flutpoldern zwei bereits vom Tisch sind. Flutpolder in Barbing und Frengkofen wurden von staatlicher Seite ausgeschlossen, da sie technisch nur schwer realisierbar wären. Das weitere Augenmerk des Landkreises richtet sich deshalb auf die geplanten Flutpolder in Eltheim und Wörthhof.

Studie der TU München ist zwischenzeitlich veröffentlicht
Das Gutachten der Technischen Universität München, das Grundlage der Kabinettsentscheidungen vom 3. Dezember 2013 war, ist mittlerweile im Internet abrufbar unter http://www.lfu.bayern.de/wasser/index.htm .

Staatsminister Dr. Huber teilte der Landrätin mit, dass „es unstrittig ist, dass allen Beteiligten sämtliche Ergebnisse der Untersuchungen und noch ausstehender Berechnungen uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden.“ Auch einem direkten fachlichen Austausch zwischen dem Gutachter des Landkreises und dem der TU München stimmte der Minister zu, damit geklärt werden kann, „welche Daten benötigt werden und welche Daten auch unter Berücksichtigung möglicher Urheber- und sonstiger Nutzungsrechte zur Verfügung gestellt werden können.“

Information der Öffentlichkeit im September
Die Landrätin kündigte an, im September zu einer Veranstaltung einzuladen, bei der Professor Malcherek die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorstellen wird. „Ich will, dass die Menschen vor Ort die Möglichkeit bekommen, sich über unser Vorgehen zu informieren und ihre Fragen und Erfahrungen mit einbringen können, damit wir gemeinsam mit größter Kompetenz auftreten können“, so die Landrätin.