Meldung vom 06.07.2015 07:41:06
Der Landkreis steht geschlossen gegen Flutpolder - Malcherek: Wir werden dem Träger des Verfahrens sehr genau auf die Finger schauen
Kiefenholz (RL). Bei der zweiten Bürgerinformationsveranstaltung des Landkreises Regensburg zum Thema Flutpolder in Kiefenholz (Stadt Wörth a. d. Donau) präsentierte Professor Andreas Malcherek auf Einladung von Landrätin Tanja Schweiger seine neuesten Untersuchungen zur Grundwassersituation entlang der Donau. Rund 350 Bürgerinnen und Bürger waren bei Badewetter in den Innenhof des Gasthofs Peutl gekommen, um sich über die neuesten Erkenntnisse informieren zu lassen, darunter auch viele Bürgermeister, Kreis- und Gemeinderäte sowie die Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer. Im Landkreis Regensburg herrscht über alle Parteigrenzen hinweg Einigkeit gegen die Flutpolderpläne des bayerischen Umweltministeriums. „Wir wollen die Flutpolder bei uns verhindern, weil wir aus der Erfahrung mit dem Donauausbau wissen, dass jeder Eingriff in den Grundwasserkörper unkalkulierbare Schwierigkeiten mit sich bringt.“ Seit den ersten Untersuchungen von Prof. Malcherek sehen wir uns darin bestätigt, dass der erhöhte Grundwasserstand mit dem Donauausbau zusammenhängt. Ein Flutpolder würde diese Situation nur noch verschlimmern. „Es ist wichtig, dass wir geschlossen gegen dieses Projekt vorgehen.“, betonte Landrätin Tanja Schweiger zu Beginn der Veranstaltung und bedankte sich bei Markus Hörner von der Bürgerinitiative gegen Flutpolder und seinen Mitstreitern.

Sie wehren sich gemeinsam gegen den Bau von Flutpoldern: Prof. Andreas Malcherek, Harald Stadler, Markus Hörner, Tanja Schweiger, Josef Schütz, Stefan Kramer (v. l.).
Sie wehren sich gemeinsam gegen den Bau von Flutpoldern: Prof. Andreas Malcherek, Harald Stadler, Markus Hörner, Tanja Schweiger, Josef Schütz, Stefan Kramer (v. l.).

Professor Andreas Malcherek, der den Landkreis seit 2013 als Sachverständiger bei der Flutpolderthematik begleitet, hatte seit der letzten Bürgerinformationsveranstaltung in Pfatter über 247.000 Datensätze aufbereitet und analysiert. Die Daten, die der Professor vom Wasser- und Schifffahrtsamt für seine Berechnungen zur Verfügung gestellt bekommen hat, seien alles andere als „aufgeräumt“ gewesen. „In der letzten Zeit wurde mit diesen Daten wohl nicht gearbeitet. Die Daten lagen in unterschiedlichen Formaten vor und wiesen zum Teil sogar Fehler auf“, so Malcherek: „Eine einheitliche Datenbank wurde mir nicht zur Verfügung gestellt oder sie existiert nicht.“ Der Professor wunderte sich, dass von der bayerischen Wasserwirtschaft in der Vergangenheit Aussagen über das Grundwasser getroffen wurden, obwohl die Daten scheinbar noch nicht analysiert worden sind. Er fordert eine ordnungsgemäße Beweissicherung auf dem Stand der Technik. „Die Auswertung der Grundwasserdaten bei den verantwortlichen Behörden ist unzureichend. Ich fordere, dass ein einheitliches, öffentlich zugängliches Grundwasserinformationssystem erstellt wird, wo wir alle nachschauen können“, erklärte Malcherek. Darüber hinaus will der Wasserbauexperte, dass ein detailliertes Grundwassermodell, welches die gemessenen Daten reproduziert, vom Träger des Verfahrens erstellt wird, bevor Aussagen zur Wirkung der Polder auf die Grundwasserstände getroffen werden.

Mit den ihm zur Verfügung gestellten Daten konnte Malcherek dennoch ein Grundwasserdatenmodell erstellen. Er betrachtete die Grundwasserstände vor und nach dem Ausbau der Donau. Er ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich der Donauausbau durch die Staustufen Geißling und Straubing auf die mittleren Grundwasserstände im östlichen Landkreis erheblich ausgewirkt hat. Dadurch sei es zu Anstiegen, in Pfatter sogar bis zu 1,8 Metern gekommen. Die dem Umweltministerium vorliegenden Untersuchungen bestreiten einen Grundwasseraufstau infolge des Donauausbaus. Malcherek, der einen direkten Zusammenhang zwischen den Donaupegeln und dem Grundwasserstand herausgefunden hat, geht davon aus, dass sich auch Polder wiederum negativ auf die Grundwasserstände auswirken, wenn diese geflutet werden. Umweltministerin Ulrike Scharf hatte am 9. Februar in Barbing zugesichert, Polder würden nur gebaut, wenn damit keine Verschlechterung der Grundwassersituation verbunden ist. „Was ist einer Gegend noch zumutbar“, fragte Wörths 2. Bürgermeister Josef Schütz: „Wir haben bereits die aufgestaute Donau, die Autobahn und die Mero Erdölleitung. Mehr geht nicht mehr.“

Im Planfeststellungsbeschluss von 1983 zur Staustufe Geißling steht unter dem Teilabschnitt Barbing, dass durch das Binnenentwässerungssystem der mittlere Grundwasserstand etwa auf der Höhe des Grundwasserstandes vor dem Ausbau gehalten wird. Dies widerlegen die jüngsten Untersuchungen von Prof. Malcherek. Viele Bürgerinnen und Bürger hatten in den letzten Jahren vollgelaufene Keller und überflutete Felder beobachtet, konnten aber den Grund für die erhöhten Grundwasserstände wissenschaftlich nicht belegen. „Jetzt haben wir endlich Beweise“, freute sich Manfred Lichtl, Sprecher der Interessensgemeinschaft der Grundwassergeschädigten und bedankte sich dafür ausdrücklich bei der Landrätin. Landrätin Tanja Schweiger sah aufgrund der nun vorliegenden Ergebnisse die Befürchtungen der Bevölkerung bezüglich der hohen Grundwasserstände auch wissenschaftlich bestätigt und die Aussagen der Behörden widerlegt, dass kein Zusammenhang zwischen hohem Grundwasser und dem Donauausbau bestehe. Im Ortsteil Griesau konnte Prof. Malcherek seit 2004 sogar einen kontinuierlichen Anstieg des Grundwassers an allen Messstellen nachweisen. Die Erhöhung der Grundwasserstände führt Malcherek auf eine unzureichende Binnenentwässerung und Undichtigkeiten der Schmalwände zurück. Dass man dieses Problem lösen kann, zeigte Malcherek anhand des Schöpfwerks Auburg. Im dortigen Umkreis sei der Grundwasserspiegel im Vergleich zu den Jahren vor dem Donauausbau sogar zurückgegangen.

Malcherek befasste sich auch mit dem Wasserschutzgebiet Giffa, das nahe an den geplanten Flutpolder Wörthhof anschließt. Er sieht eine Gefahr durch die Umkehrung der Hydraulik bei der Flutung des Polders gegeben. „Ein Trinkwasserschutzgebiet ist mit einem Polder so nicht zu halten. Entweder ein Polder oder ein Schutzgebiet“, so der Fachmann. Bürgermeister Hans Thiel aus Barbing bedankte sich bei der Landrätin und beim Landkreis für die fachliche Unterstützung durch Prof. Malcherek. „Als einzelne Gemeinde wären wir nie zu diesen Ergebnissen gekommen. Es ist erstaunlich, was Prof. Malcherek mit den wenigen Daten, die man ihm gegeben hat, herausgefunden hat“, so der Bürgermeister. „Wir werden dem Träger des Verfahrens sehr genau auf die Finger schauen“, versprach Prof. Malcherek.

Markus Hörner rief am Ende die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, das vom Umweltministerium angekündigte Dialogverfahren im Vorfeld der Polderplanungen zu besuchen: „Wir müssen hier immer wieder unsere Meinung sagen und unsere Ängste und Befürchtungen äußern.“ Landrätin Tanja Schweiger schloss sich diesem Appell an und verwies darauf, dass der Landkreis Regensburg seine Meinung nun wissenschaftlich fundiert dargelegt und somit wichtige Grundlagen und Aussagen noch vor Beginn des Dialogprozesses geliefert hat.