Junge Ärztin aus Nepal hospitiert in Wörth

Dr. Aditi testet im Beisein von Dr. Wolfgang Sieber einen Patienten auf Pollenallergie. (Foto: Kerstin Hafner)
Dr. Aditi testet im Beisein von Dr. Wolfgang Sieber einen Patienten auf Pollenallergie. (Foto: Kerstin Hafner)

20.05.2019 Dr. Wolfgang Sieber, Chefarzt der Inneren Medizin in Wörth, Pneumologe, Allergologe, Sport- und Notfallmediziner, ist stolz, wieder eine Kollegin vom anderen Ende der Welt bei sich zu haben: Dr. Aditi Mishra (33). „Ich bin schon seit Jahren aktiv für Ärzte ohne Grenzen, war selber mehrfach in Nepal. Wir fühlen uns geehrt, dass jemand um den halben Erdball fliegt, um an unserer Kreisklinik neue Techniken zu erlernen. Und natürlich bedanken wir uns auch herzlich beim Landkreis Regensburg, denn die Landrätin steht voll hinter unserem Projekt. Für Reisen nach Nepal, zum Beispiel zum 1. Nepalesischen Allergiekongress 2017, werde ich immer freigestellt.“

Übertriebene Hygiene und das Leben in Ballungsgebieten kann Menschen empfindlicher machen für Allergieauslöser. Aber auch im Himalaya kennt man Allergien oder allergiebedingte Lungenerkrankungen ­– und zwar erstaunlicherweise vor allem wegen Hausstaubmilben, die dort bis in große Höhen vorkommen. Wer in den Alpen über 1.200 Meter Seehöhe lebt, braucht sich über Milben keine Gedanken zu machen; in Südamerika kommen sie bis 2.000 Meter vor, in Asien klettern sie noch höher.

Fortbildung in der Immuntherapie

Um fortan bessere medizinische Hilfe leisten zu können, hospitiert Dr. Aditi im Mai vier Wochen lang in Wörth, wo sie sich neue Techniken im Bereich Allergologie, Pneumologie, Innere und Umweltmedizin aneignet. Die junge Mutter einer zweijährigen Tochter ist Absolventin der Kathmandu University und arbeitet zuhause am Universitätskrankenhaus Dhulikel 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt. Sie ist nach Dr. Shekhar Kc der zweite Fernost-Besuch bei Dr. Sieber in Wörth. Neben ihrer Zeit am Kreisklinikum Wörth arbeitete Dr. Aditi in der hausärztlichen Gemeinschaftspraxis Müller, Lohner und Wildner in Neutraubling mit und vertieft ihr Wissen über Immuntherapie gegen Allergien bei Prof. Dr. Mark Berneburg an der Uniklinik Regensburg. Sie wohnt als Gast bei Henriette Müller, die sich seit Beginn der Nepalhilfe im Landkreis für die Weiterbildung von Medizinern in diesem Himalayastaat engagiert.

Infekte, Allergien und Asthma häufige Leiden im Himalayastaat

„Natürlich ist so eine kostspielige Behandlung wie eine Immuntherapie derzeit nur für einen sehr kleinen Teil der nepalesischen Bevölkerung erschwinglich“, erklären Dr. Sieber und Henriette Müller und beziehen sich damit auf das Fehlen von Krankenkassen im Himalayastaat. „Aber wir wollen die Mediziner Nepals ja auch fit für die Zukunft machen.“ Vielleicht gebe es bald ein günstigeres Generikum, also ein Nachahmerpräparat. Nepalesen gelten zwar als robust, haben aber tatsächlich die niedrigste Lebenserwartung in ganz Asien. Die medizinische Versorgung im Land ist schwierig, Menschen aus unwegsamen Regionen müssen oft mehrere Tagesmärsche in Kauf nehmen, um schwerwiegendere Leiden in einem größeren Krankenhaus diagnostizieren oder behandeln zu lassen. Während in Deutschland Herz-/Kreislaufprobleme zu den häufigsten Diagnosen zählen, leiden Nepalesen am meisten unter Infekten oder infektionsbedingten Allergien, Asthma und Hautproblemen bis hin zu Neurodermitis. Auch Medikamentenunverträglichkeiten häufen sich. 

Hintergrund: Seit vielen Jahren engagieren sich Ärzte und Kliniken aus dem Raum Regensburg für die Unterstützung des Himalayastaats Nepal. Den Startschuss dafür gab Heribert Wirth, Unternehmer und Bauherr des Nepal-Himalaya-Pavillons bei Wiesent. Im Zuge dieser Zusammenarbeit zwischen hiesigen Kliniken und dem Krankenhaus Dhulikhel bei Kathmandu kam es in den vergangenen Jahren neben zahllosen Geld- und Sachspenden auch immer wieder zum Mediziner-Austausch: Deutsche Ärzte tragen ihr Wissen nach Nepal, Jungärzte aus dem Himalaya-Staat kommen zum Lernen nach Bayern.

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