Meldung vom 04.10.2017 10:22:28
Hermannsberg präsentierte sich als Schauplatz bei den Regionaltagen - Miteinander (er)leben, denn gemeinsam geht´ s besser
Wiesent (RL). „Gemeinsam geht´ s besser“ - so lautet der Titel des „Aktionsplans Inklusion und Demografie“, den sich der Landkreis Regensburg als Fahrplan gewählt hat, um die Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu verbessern. Ein Ort, an dem dies seit 25 Jahren bereits hervorragend gelingt, ist der Hermannsberg, sozusagen der „Hausberg“ der Gemeinde Wiesent. Beim Aktionstag „Miteinander (er)leben“ konnten Gäste im Rahmen der Regionaltage des Landkreises Regensburg diesen im positiven Sinne außergewöhnlichen Ort kennen lernen.

Die Besucher probierten unter der Leitung von Peter Gockel aus, wie das Bogenschießen funktioniert.
Die Besucher probierten unter der Leitung von Peter Gockel aus, wie das Bogenschießen funktioniert.

Hoch über Wiesent liegt malerisch das Bildungshaus Hermannsberg mit seinem sagenhaften Blick über die Donauniederungen bis nach Regensburg. Die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg sorgt hier zusammen mit behinderten Menschen für das Wohlbefinden der Besucher. Das geschieht mit so viel Freude und Herzlichkeit, dass man sich sofort rundum wohlfühlt. Dass Gäste hier schon nach kurzer Zeit tiefer atmen, sich im wahrsten Sinne des Wortes zurücklehnen und sich daran erinnern, was im Leben eigentlich die wirklich wichtigen Dinge sind, daran ist Einrichtungsleiter Manfred Schmidt schon gewohnt. So kam es auch beim Aktionstag, wo von Anfang an eine gelöste, heitere Atmosphäre herrschte.

Sichtlich Freude machte den Gästen der Aktionstag „Miteinander (er)leben“ auf dem „Hermannsberg“ in Wiesent.
Sichtlich Freude machte den Gästen der Aktionstag „Miteinander (er)leben“ auf dem „Hermannsberg“ in Wiesent.

Die Besucher ließen unter der Leitung von Bogenschießlehrer Peter Gockel die Pfeile ins Ziel sausen. Bildhauer Max Herrmann zeigte den Gästen bei einem Schnitz- und Modellierkurs, was mit ein wenig Fingerspitzengefühl aus Holz alles entstehen kann. Beim Crashkurs „Gebärdensprache“ konnte man auf lockere Art viel lernen über die Lebenswelt von Menschen, die nicht hören können. Wenzel Spreitzer vom Bezirksverband der Hörgeschädigten Oberpfalz e. V. hatte raffinierte Tipps für Begegnungen mit gehörlosen Menschen mitgebracht, die er auf kurzweilige Art vermittelte. Dieser Kurs fand an einem ganz besonderen Fleckchen auf dem Hermannsberg statt, nämlich in der spirituellen Begegnungsstätte, die mit Mitteln des Freistaats Bayern und der Europäischen Union aus Leader+ gefördert wurde. Es ist dies quasi der Ersatzbau für die ehemalige Hauskapelle, die im Jahr 2003 einer Generalsanierung zum Opfer fiel.

In dem konfessionsneutralen Gebäude kann man sich der Stille, der Selbstbesinnung oder der Meditation widmen. „Inne halten, sich erholen und die Schöpfung bewundern - solche wohltuenden Momente in unserer Begegnungsstätte geben den Gästen Ruhe und neue Kraft“, erzählte Manfred Schmidt. Wie alle anderen Gebäude auf dem Hermannsberg passt auch die Begegnungsstätte harmonisch in die wunderbare Naturlandschaft und will den Besuchern bewusst machen, dass sie ein Teil der Schöpfung sind. Dazu tragen die farbigen Glasringe bei, die das Thema „Sonnengesang des hl. Franziskus“ einfühlsam umsetzen. Bald sollen noch mehr Kunstwerke auf den Hermannsberg locken.

„Am Franziskusweg arbeiten wir bereits“, sagte Manfred Schmidt und verriet, was es mit dem Zukunftsprojekt auf sich hat. „Ausgehend vom Hermannsberg sollen fünf Stationen entstehen, für deren Gestaltung wir örtliche Künstler um Vorschläge gebeten haben“. Enden soll der Weg in Wiesent beim „Thaddäusbrunnen“, der als Hommage an einen gebürtigen Wiesenter gedacht ist, der auf dem Hermannsberg lebte, in Südamerika als Kapuzinermönch wirkte und zugleich als beliebter Arzt für die Menschen da war. Beide Vorhaben sollen erneut als Leader-Projekte verwirklicht werden.

Regionalmanagerin Johanna Bräu bezeichnete den Aktionstag auf dem Hermannsberg als ersten Testlauf in dem Bemühen, ein soziales Thema in den Regionaltagen zu etablieren. „Eine gute Idee“, lobte Manina Sobe vom Integrationsfachdienst Oberpfalz. Das fand auch Michael Eibl, Direktor der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg. Er dankte für das Engagement und betonte: „Kontinuität ist wichtig für alle Inklusionsbemühungen. Bleiben Sie dran und werben Sie immer wieder sympathisch dafür“. Wiesents Vizebürgermeister Herbert Hanwalter zeigte sich begeistert von der Integrationskraft des Hauses Hermannsberg und von dessen hervorragendem Ruf. „Nicht umsonst nutzen namhafte Firmen diese Einrichtung regelmäßig für Fortbildungen und es kommt sicher nicht von ungefähr, dass dieses Haus Monate im Voraus ausgebucht ist“.

Ansprechpartner zum Thema „Inklusion“ im Landkreis Regensburg: Elisabeth Sojer-Falter, Tel.: 0941 4009-402 und Johanna Bräu, Tel.: 0941 4009-465.