Meldung vom 14.01.2019 14:22:40
Jede fünfte betriebliche Berufsausbildung wird vorzeitig beendet - Landkreis Regensburg veröffentlicht 1. Sonderbericht „Vorzeitige Vertragslösungen in der betrieblichen Berufsausbildung“ / Oft wird auch nur der Ausbildungsbetrieb gewechselt.
Regensburg (RL). Der Sonderbericht zum Thema „Vorzeitige Vertragslösungen in der betrieblichen Berufsausbildung“ bezieht sich auf ein zentrales Ergebnis und Handlungsfeld, das im ersten Bildungsbericht des Landkreises herausgestellt wurde. Etwa jede fünfte betriebliche Berufsausbildung wird vorzeitig beendet. „Diese Quote galt es zu hinterfragen und zu untersuchen. Und es müssen Risikofaktoren identifiziert und Hilfen für den Fall angeboten werden, dass Berufsausbildungen abgebrochen werden und keine Anschlussperpektive besteht“, so Landrätin Tanja Schweiger bei der Vorstellung des Berichts gemeinsam mit Silvia Siegler, die die 38-seitige Broschüre konzipiert und erstellt hat.

Landrätin Tanja Schweiger (rechts) und Silvia Siegler (Landratsamt Regensburg) stellen gemeinsam den Sonderbericht zum Thema „Vorzeitige Vertragslösungen in der betrieblichen Berufsausbildung“ vor, der aufgrund der Tatsache erstellt wurde, dass etwa jede fünfte betriebliche Berufsausbildung im Landkreis Regensburg vorzeitig beendet wird. (Foto: Landratsamt Regensburg/Birgitt Retzer)
Landrätin Tanja Schweiger (rechts) und Silvia Siegler (Landratsamt Regensburg) stellen gemeinsam den Sonderbericht zum Thema „Vorzeitige Vertragslösungen in der betrieblichen Berufsausbildung“ vor, der aufgrund der Tatsache erstellt wurde, dass etwa jede fünfte betriebliche Berufsausbildung im Landkreis Regensburg vorzeitig beendet wird. (Foto: Landratsamt Regensburg/Birgitt Retzer)

Der Sonderbericht richte sich neben politischen Entscheidungsträgern, der Bildungsverwaltung und verschiedenen Bildungsakteuren auch an alle bildungsinteressierten Bürgerinnen und Bürger, wie Landrätin Tanja Schweiger erläuterte. Der Bericht ist daher auch auf der Homepage des Landkreises Regensburg unter https://www.landkreis-regensburg.de/Landratsamt/Buergerservice/Bildung-Arbeit/Bildungsbericht.aspx  hinterlegt.

Hier die zentralen Aussagen des Berichts:
Die Quote der vorzeitigen Vertragslösungen wird in der bildungspolitischen Debatte häufig fälschlich als Ausbildungsabbruchquote bezeichnet. Im Sonderbericht wird aufgezeigt, dass die meisten Auszubildenden den Ausbildungsbetrieb und/oder –beruf lediglich wechseln oder einen anderen Bildungsweg einschlagen. Die Gründe dafür sind vielfältig; sie unterscheiden sich naturgemäß auch in der Perspektive der Jugendlichen und der Betriebe sehr stark. Auszubildende führen meist an, dass die Ausbildung für sie „nicht das Richtige“ sei, wobei Betriebe die Ursache meist in der Person selbst sehen, etwa in fehlenden Sozialkompetenzen. Für die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer begünstigen auch die gute Konjunkturlage und das große Angebot an Ausbildungsplätzen vorzeitige Vertragslösungen .

Wie Vertragslösungen generell eine differenzierte Betrachtung verlangen. Im ungünstigsten Fall können sie zu einem Ausstieg aus der Ausbildungsbeteiligung der Jugendlichen als auch der Betriebe führen. Vor dem Hintergrund, dass Jugendliche ohne Ausbildungsplatz häufig von vielfältigen Problemen betroffen sind, deren Ursachen meist im Elternhaus liegen, müssen zukünftige Handlungsfelder daher vor allem bei der Prävention ansetzen. Insbesondere Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen müssen frühzeitig erreicht werden. Wichtig ist daher, das Angebot an bezahlbaren Kita-Plätzen sowie Betreuungsplätzen an Grundschulen weiter auszubauen und deren Qualität sicherzustellen. Ebenso müssen Eltern mit Unterstützungsbedarf frühzeitig erreicht werden, um diese zu stärken und zu befähigen, ihrer Erziehungsverantwortung gerecht zu werden.

Um Schülerinnen und Schüler von Anfang an zu unterstützen, hat der Landkreis an allen derzeit förderfähigen Schulen im Landkreis Regensburg (25) insgesamt 32 Fachkräfte der „Jugendsozialarbeit an Schulen“ eingesetzt. Wie es im Bericht heißt, ist diese intensivste Form der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule im Rahmen der Fördermöglichkeiten für alle Schularten weiter auszubauen.

Im Bericht kommen zudem Fachleute aus den Bereichen der Ausbildungs- sowie Berufsberatung, Jugend- und Auszubildendenvertretung sowie aus der Berufsschule „Jugendliche in Berufsfindung“ zu Wort, sodass ein komplexes Bild zum Thema der vorzeitigen Vertragslösungen gezeichnet werden konnte.

Hintergrund:
Der Sonderbericht entstand im Rahmen des Programms „Bildung integriert“, mit dem das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Europäische Sozialfonds den Landkreis Regensburg seit Juni 2016 beim Aufbau eines kommunalen Bildungsmanagements und -monitorings unterstützt. Ziel ist es, die lokalen Bildungsangebote aufeinander abzustimmen und die Vernetzung und Kooperation zwischen den Bildungsakteuren zu fördern.

Kontakt für weitere Informationen und Fragen:
Silvia Siegler, Tel. 0941 4009-790, E-Mail silvia.siegler@lra-regensburg.de