Applaus ist kein Gehalt! Der Gender Pay Gap kreativ angerichtet

Kabarettistin und Moderatorin Eva Karl-Faltermeier und Ingrid Asche, Projektleiterin des Equal Pay in Regensburg; Foto: Lea Kreppmeier
Kabarettistin und Moderatorin Eva Karl-Faltermeier und Ingrid Asche, Projektleiterin des Equal Pay in Regensburg; Foto: Lea Kreppmeier

22.03.2021 Warum verdienen Frauen über alle Branchen hinweg weniger als die Männer? Wieso sind Frauen auch in der Kultur- und Kreativszene weniger sichtbar und treten seltener auf die Bühne? Und was können wir alle gemeinsam dagegen tun? Diesen Fragen stellten sich die AkteurInnen des Equal Pay Day in Regensburg. Zum Abschluss einer Aktionswoche lud das Aktionsbündnis Equal Pay Day in Kooperation mit dem Clustermanagement Kultur- und Kreativwirtschaft am 17. März zu einer „Finissage“ – einem kreativ-informativen Live-Stream aus dem „Degginger“. Unterstützt wurde die Veranstaltung von den beiden Schirmfrauen Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und Landrätin Tanja Schweiger. Die Kabarettistin Eva Karl-Faltermeier führte als Moderatorin durch den Abend.

Unter dem Motto „Applaus ist kein Gehalt! Der Gender Pay Gap kreativ angerichtet – über die Einkommens- und Sichtbarkeitslücke von Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft“ gewährten unter anderem KünstlerInnen einen Einblick in ihre Erfahrungen. Lena Schwarzwald alias Milla Müller veranschaulichte die Problematik zu Beginn mit aktuellen Studienergebnissen. Anhand einiger Beispiele aus der aktuellen Studie „Frauen und Männer im Kulturmarkt“ zeigte sie, dass die Einkommens- und Sichtbarkeitslücke in der Kulturszene durchaus real ist. Das können auch Sängerin Rebekka Maier, besser bekannt als „Die Nowak“, und Poetry Slammerin Teresa Reichl bestätigen. Neben ihren unterhaltsamen Auftritten berichteten die beiden Künstlerinnen auch von ihren persönlichen Erfahrungen auf der Showbühne.

Input aus der Verhaltensökonomie: Wettbewerb als Chance

Einen informativen Input aus der Wissenschaft lieferte Dr. Helena Fornwagner. Die Experimental- und Verhaltensökonomin erforscht an der Universität Regensburg, wie das Wettbewerbsverhalten den Gender Pay Gap beeinflusst. Das Ergebnis: Frauen sind weniger risikobereit und stellen sich deutlich seltener Wettbewerbssituationen als Männer. Dadurch entgehen ihnen mitunter Chancen auf eine Beförderung oder ein besseres Gehalt. „Positives Feedback oder auch Unterstützung von MentorInnen können zum Beispiel dazu beitragen, dass Frauen sich mit einem gutem Gefühl dem Wettbewerb stellen“, rät Dr. Fornwagner.

Im Anschluss hatten die ZuschauerInnen bei einem Get-Together die Chance, sich in einem Online-Meeting mit den Game-ChangerInnen und VeranstalterInnen auszutauschen.

Wer den Live-Stream gerne noch im Nachgang verfolgen möchte, hat dazu auf dem YouTube-Kanal des Degginger die Chance.

Weitere Infos zum Equal Pay Day gibt es hier.

Zum Equal Pay Day: Noch immer verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 19 Prozent weniger als die Männer. Diesen Entgeltunterschied veröffentlichte das Bundesamt für Statistik basierend auf dem durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn von Männern (22,16 €) und Frauen (17,72 €). Umgerechnet ergeben sich daraus 69 Tage, die Frauen vom Jahresanfang bis zum Equal Pay Day – dieses Jahr am 10. März – unentgeltlich arbeiten. Unter dem Motto „Game Changer:in – Mach dich stark für Equal Pay!“ rief der Equal Pay Day in diesem Jahr bundesweit dazu auf, Gleichstellung in allen Bereichen des Lebens voranzubringen.
Auch das Regensburger Aktionsbündnis präsentierte in einer Aktionswoche vom 10.-17. März sieben lokale Game Changer:innen. Täglich wurden die Frauen und Männer über soziale Medien sowie in wechselnden lokalen Medien vorgestellt und somit als Vorbilder sichtbar.
Neben dem BPW Club Regensburg sind im Aktionsbündnis Equal Pay Day auch die Gleichstellungsstellen von Stadt, Landkreis und Arbeitsagentur, der DGB, der Katholische Frauenbund KDFB und die Katholische Erwachsenenbildung KEB, die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und die Jusos, die Grünen und die Grüne Jugend vertreten.

Kategorien: Landkreis