Lebensraumwanderung in und um Frauenzell

Förster Franz Löffl (rechts) bei seinen Erläuterungen über die hier existenten Tier- und Pflanzenarten. (Foto: Markus Bauer)
Förster Franz Löffl (rechts) bei seinen Erläuterungen über die hier existenten Tier- und Pflanzenarten. (Foto: Markus Bauer)

07.07.2021 Strahlender Sonnenschein lockte am Sonntag, 27. Juni, rund 100 Wander- und Naturbegeisterte nach Frauenzell zur hier jährlich und heuer auch im Rahmen der Reihe „Kultur schafft Begegnung“ angebotenen Lebensraumwanderung. Förster Franz Löffl, auch 2. Bürgermeister der Gemeinde Brennberg, ging dabei auf viele Aspekte des Themas Lebensraum, unter anderem auf den Landschafts- und Naturschutz ein. Das neugegründete Männergesangsensemble „Reimars Erben“ unter der Leitung von Klaus Wenk begleitete die Führung an ausgewählten Standorten mit dazu passenden Liedern aus der Romantik.

Im Namen der Gemeinde Brennberg und der Klosterfreunde Frauenzell begrüßte die Brennberger Bürgermeisterin Irmgard Sauerer die aus allen Ecken des Landkreises und darüber hinaus angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Besonders freute sie sich über das Ensemble „Reimars Erben“, das den Brennberger Minnesänger (1210 – 1271) in Erinnerung ruft, der wesentlich zur Gründung des Klosters Frauenzell beigetragen hat. Auch verwies die Rathauschefin auf aktuell gegebene Bedrohungen für die Landschaft, unter anderem durch den geplanten Südostlink. Es gehe darum, „den Lebensraum, die Artenvielfalt und die Kulturlandschaft zu erhalten“, so Sauerer.

Das Ensemble „Reimars Erben“ stellte Klaus Wenk, früher Sänger im weltweit bekannten Chor „Singer Pur“, kurz vor. Vor knapp zwei Jahren gegründet und dann durch die Corona-Pandemie gebremst, widmen sich die Männer vor allem dem romantischen Männerchor-Liedgut, in dem die Themen Natur, Liebe oder auch Todessehnsucht eine große Rolle spielen. Die Begleitung der Lebensraumwanderung war die Premiere des Ensembles. Das erste Lied sangen die fünf Männer dann im Klosterhof.

In seinen kurzweiligen Ausführungen an mehreren Stationen erläuterte Förster Franz Löffl zum Beispiel die noch heute sichtbaren Spuren früherer Landnutzung, eindeutige regionale Flächenbezeichnungen („Ochsenweide“), die auf landwirtschaftliche Arbeit hinweisen, oder Aspekte der Baukultur (etwa der Waldlerhäuser). Zentral für Löffl sind aber die Inhalte, die zur Auszeichnung Brennbergs als Biodiversitätsgemeinde geführt haben: der Erhalt und die Pflege vielfältiger Lebensräume und damit der Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt. „Im Tierbereich haben wir 40 Arten, die auf der Roten Liste stehen, bei den Pflanzen 16 Arten. Bei den Schmetterlingsarten hatten wir vier Wiederfunde. Für einige Arten ist hier das einzige Vorkommen im Vorderen Bayerischen Wald“, erklärte der Förster. Er verdeutlichte die Zusammenhänge: Manche Pflanzen sind Futter für Insekten, die wiederum Nahrung für Tiere wie etwa Fledermäuse sind. „Die Bechsteinfledermaus braucht Jagdbiotope und Höhlenbäume“, vertiefte Löffl und ging auf weitere Themen wie Beweidung, Mähen, Düngung oder am Weg aufgestellte Marterl ein. „Straßenböschungen müssen nicht gedüngt werden“, empfahl er mit Blick auf Blühstreifen und Entwicklung vieler Arten. Außerdem werden damit Lebewesen am Boden (zum Beispiel Köcherfliegenlarven), die für den Bodenorganismus wichtig sind, geschützt. „Früher gab es in den Wiesen ein sehr lebendiges Hüpfen“, fasste Löffl seine Ausführungen zu diesem Naturlebensraum zusammen.

Im Lebensraum Wald machte der Förster auf die auch hörbaren und unbelasteten Quellen und Quellbäche aufmerksam, durch die das Vorkommen etwa der Flussperlmuschel und der Bachforelle gewährleistet wird. Aber auch Totholz- oder Biotopbäume seien für Tier- und Pflanzenarten (lebens)wichtig. Passend zu den angenehm niedrigeren Temperaturen im Wald sang das Ensemble „Reimars Erben“ hier das bekannte Lied „In einem kühlen Grunde“, zuvor erklang – unter einer alten Linde – „Am Brunnen vor dem Tore“, wo am Beginn des Liedes auch der Lindenbaum genannt wird. Fünf Lieder steuerten „Reimars Erben“ zu der Führung bei.

Einhelliges Fazit aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Die Lebensraumwanderung war eine harmonische, ganzheitliche und alle Sinne ansprechende Veranstaltung – eine Begegnung von Natur und Musik, gemäß dem Motto der diesjährigen Landkreis-Veranstaltungsreihe „Kultur schafft Begegnung“.

Ihre Lieder trugen „Reimars Erben“ an besonderen Plätzen vor – hier an einem Felsvorsprung im Wald. (Foto: Markus Bauer)

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