Öko-Modellregion Regensburg bringt Früchte

Matthias Sabatier, Manager der Ökomodellregion Regensburg, Landrätin Tanja Schwieger (re) und Abteilungsleiterin Elisabeth Sojer-Falter erläutern die zahlreichen positiven Entwicklungen der Ökomodellregion. Foto: Beate Geier
Matthias Sabatier, Manager der Ökomodellregion Regensburg, Landrätin Tanja Schwieger (re) und Abteilungsleiterin Elisabeth Sojer-Falter erläutern die zahlreichen positiven Entwicklungen der Ökomodellregion. Foto: Beate Geier

04.03.2020 Im Mai vergangenen Jahres wurden Stadt und Landkreis Regensburg vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Öko-Modellregion ausgezeichnet. Seit seinem Dienstantritt im September 2019 hat Matthias Sabatier, Geograph und Landwirt, als Projektmanager der Öko-Modellregion für Stadt und Landkreis Regensburg eine ganze Reihe von Projekten und Kooperationen zur Förderung der biologischen Landwirtschaft vor Ort initiiert bzw. weiterentwickelt. Im heutigen Pressegespräch zogen Elisabeth Sojer-Falter, Leiterin der Abteilung Regionalentwicklung und Wirtschaft im Landratsamt, und Matthias Sabatier eine Zwischenbilanz zum Projekt Öko-Modellregion.

In der Region Regensburg bewirtschafteten 2019 mit 187 Betrieben 9,35 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe ihre Flächen nach ökologischen Kriterien. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche lag dabei mit 8.731 Hektar bei 12,09 Prozent. Mit einigen Betrieben hat der Projektmanager der Öko-Modellregion inzwischen Gespräche geführt und Verbindungen zu Lebensmittelverarbeitern hergestellt, um regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen und zu etablieren. Da solche Prozesse bis zur Umsetzung einen längeren Zeitraum benötigen, wird Matthias Sabatier mit den Akteuren auch künftig in engem Kontakt bleiben, sie begleiten und weiterhin motivieren.

Mehr regionale Bio-Lebensmittel in Kitas, Schulen und Betriebskantinen

Ein Schwerpunktthema in der Öko-Modellregion Regensburg ist der vermehrte Einsatz bioregionaler Lebensmittel in der sogenannten Gemeinschaftsverpflegung. Damit sind die Kantinen von Schulen, Kindertageseinrichtungen und Betrieben sowie Caterer, die diese Einrichtungen beliefern, gemeint. Zu diesem Thema lädt die Öko-Modellregion zusammen mit dem Fachzentrum Ernährung/ Gemeinschaftsverpflegung am 10. März von 14.30 bis 18.30 Uhr Küchenverantwortliche der beschriebenen Einrichtungen ins Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zu einer kostenlosen Veranstaltung ein. Neben Erfahrungsberichten aus der Praxis findet ein gemeinsames Kochen mit dem erfahrenen Bio-Caterer Hannes Eichinger statt. Im Anschluss an die Veranstaltung können sich die Teilnehmer um ein kostenfreies, mehrmonatiges Coaching bewerben, bei dem den umstellungsbereiten Küchen ein Bio-Koch beratend zur Seite steht. 

Solidar-Gemeinschaften zwischen Landwirten und Verbrauchern

Auch im Bereich solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) haben sich einige Initiativen entwickelt. Solidarisch meint in diesem Fall, dass sich Verbraucher zusammenschließen und das Risiko des Landwirtes, Ernteausfälle zu erleiden, untereinander aufteilen und ihm den Lebensmittelabsatz sichern. Die Lohn- und Materialkosten des Landwirts/Gärtners werden gemeinschaftlich übernommen. Dafür bekommen die Verbraucher die angebauten Lebensmittel, deren Menge sich anteilig an der derzeitigen Gesamternte orientiert. Je nach Ausgestaltung der einzelnen SoLaWi besteht die Möglichkeit, regelmäßig auf dem Acker mitzuarbeiten. Neben der seit mehreren Jahren etablierten SoLaWi in Tiefbrunn haben sich im Jahr 2019 eine SoLawi in Kareth und eine weitere bei Diesenbach gegründet. Im Februar dieses Jahres wurde schließlich die SoLaWi Tegernheim gegründet. Nach einem SoLaWi-Netzwerktreffen im Januar 2020 haben sich zwei weitere Gruppen gefunden, die im westlichen Landkreis auch jeweils eine solche Art der Landwirtschaft gründen möchten. Es fanden bereits erste Gruppentreffen statt, um organisatorische Angelegenheiten bis zum geplanten Start auf dem Acker im Frühjahr 2021 zu regeln. 

Verein kümmert sich um Gemüseanbau, Café und Kursangebote in Burgweinting

Weiterhin begleitet die Öko-Modellregion eine Vereinsgründung in der ehemaligen Blumengärtnerei Seitz in Burgweinting. Neben vielfältigem Gemüseanbau und einer Jungpflanzenaufzucht werden die Vereinsmitglieder in den Gewächshäusern ein kleines Café betreiben, welches die angebauten Lebensmittel verarbeitet und anbietet. Dazu werden unterschiedliche Handwerkskurse angeboten sowie kleine Veranstaltungen wie Lesungen und Vorträge stattfinden. Finanziert werden soll das Ganze über eine Crowd-Funding-Kampagne, die noch in diesem Monat starten wird. Dazu kann jeder Interessierte Gutscheine erwerben, um dem Verein Geldmittel zur Verfügung zu stellen. Die Gutscheine können später in der Gärtnerei wieder eingelöst werden. 

Erfahrungsaustausch im Bio-Landbau von Bauer zu Bauer

Im Frühjahr wird es ein Angebot zu Bauer-zu-Bauer-Gesprächen geben. Dabei sind umstellungsinteressierte Landwirte dazu eingeladen, einen bereits bio-zertifizierten BioRegio-Betrieb zu besichtigen. Neben einer Betriebsführung können dabei Fragen zu Schwierigkeiten bei der Umstellung, Erfahrungen im Bereich der biologischen Landwirtschaft, Absatzmöglichkeiten und vieles mehr, gestellt werden. 

Auf der Homepage des Landkreises sind unter „Regional genießen“ neben den Bauern- und Wochenmärkten nun auch die Biobetriebe mit eigener Direktvermarktung aufgelistet. Wer Hinweise zur Vervollständigung dieser Liste oder Interesse an einem oder mehreren der oben beschriebenen Projekte hat, kann sich gerne mit dem Projektmanager der Öko-Modellregion, Matthias Sabatier, unter 0941 4009-168 oder matthias.sabatier@lra-regensburg.de  in Verbindung setzen. 

Hintergrund:

Bis zum Frühjahr 2019 gab es zwölf Öko-Modellregionen in Bayern. Im Zuge der dritten Wettbewerbsrunde wurden weitere 15 Regionen zu staatlich anerkannten Öko-Modellregionen erklärt. Das Gesamt-Fördervolumen beläuft sich auf knapp 1,5 Millionen Euro im Jahr. Die Öko-Modellregionen sind ein wichtiger Bestandteil des Landesprogramms „BioRegio Bayern 2020“, mit dem die Staatsregierung seit 2012 den Ökolandbau in Bayern unterstützt. Ziel der Öko-Modellregionen ist es, die regionale Produktion, Verarbeitung und den Konsum von Bio-Lebensmitteln auszubauen und die Artenvielfalt in den Regionen zu erhalten. Dazu unterstützt der Freistaat finanziell ein Projektmanagement vor Ort, zunächst für zwei Jahre. Die Förderung kann um weitere drei Jahre verlängert werden. Das Projektmanagement Öko-Modellregion ist im Landratsamt Regensburg im Sachgebiet Regionalentwicklung angesiedelt.

 

Kategorien: Landkreis, Regionalentwicklung

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