Regionaltage stellten das Wasser als Grundlage des Lebens in den Mittelpunkt

Poschenrieder Mühle. Foto: Sven Päplow
Poschenrieder Mühle. Foto: Sven Päplow

07.10.2019 Wasser als Grundlage des Lebens war ein Schwerpunkt-Thema der diesjährigen Regionaltage des Landkreises Regensburg. Einmal im Jahr lenken die Regionaltage an mehreren Tagen und mit verschiedenen Veranstaltungen und Projekten den Blick auf regionale Ressourcen und Wirtschaftskreisläufe mit dem Ziel, solche Aspekte wie „Nachhaltiger Konsum“, „Ressourcenschonung“, „Biodiversität“ oder regionale Identität stärker ins Bewusstsein zu rücken. Am Samstag, 28. September, lud der Landkreis Regensburg zu mehreren dezentralen Veranstaltungen ein, die sich dem Thema Wasser als Lebensgrundlage widmeten.

In Deckelstein in der Gemeinde Pettendorf und in Sinzing öffneten die lokalen Wasserversorger die Türen ihrer Wasserwerke und zeigten den Besuchern, was alles notwendig ist, damit bei den Endverbrauchern in den Gemeinden aus den Wasserhähnen einwandfreies Trinkwasser fließen kann. Eine Wanderung entlang der Schwarzen Laber machte deutlich, wie lebenswichtig der Fluß in der Vergangenheit für die Bevölkerung in Sinzing war.

Aktivkohle-Aufbereitungsanlage sorgt für Top-Qualität

In der Aktivkohle-Aufbereitungsanlage in Deckelstein begrüßte die Besucher der Vorsitzende des Wasserzweckverbands der Gruppe Naab-Donau-Regen, Eduard Obermeier. Die neu gebaute Filteranlage werde bald fast 20.000 Menschen in sieben Gemeinden im westlichen Umkreis mit dem wertvollen Lebensmittel Wasser versorgen. Dank der eingesetzten Technik können aus dem Wasser die unerwünschten Bestandteile herausgefiltert werden. Dadurch verbessere sich sowohl die Wasserqualität als auch die Versorgungssicherheit, da künftig die Förderleistung der Brunnen voll ausgeschöpft werden könne. Die große Investition mache den Zweckverband nicht nur unabhängiger, auch die energetische Bilanz falle positiv aus, denn die Pumpen des Wasserwerks werden nun zum großen Teil mit Strom betrieben, den die ebenfalls neu installierte Photovoltaikanlage auf dem Dach des erweiterten Gebäudes liefere.

Sparsamerer Umgang mit dem kostbaren Nass

Erfreulich sei, so Obermeier, dass der Zweckverband seit Jahren konstant gleiche Mengen Wasser fördere, obwohl die Anzahl der zu versorgenden Haushalte kontinuierlich steige. Dies sei auf die wassersparenden Haushaltsgeräte, aber auch auf den bewussten Umgang der Endverbraucher mit der Ressource Wasser zurückzuführen. Und zum Schluss verkündete Eduard Obermeier den 90. Geburtstag des Wasserzweckverbands: 1929 sei das Wasserwerk in Pettendorf ans Netz gegangen. Anschließend erklärten Wassermeister Michael Kliegl und stellvertretender Wassermeister Roland Kager den Besuchern die technischen Details der Anlage, darunter die Funktionsweise des Aktivkohlefilters aus Kokosnussfasern, den Betrieb des Notstromaggregates oder den Zweck des Absetzbeckens und beantworteten viele Fragen bezüglich der Wasserqualität und des täglichen Betriebs des Wasserwerks.

Wasserräder an der Schwarzen Laaber – Zeugen der Vergangenheit

Bei bestem Spätsommerwetter startete in Sinzing um 13 Uhr eine von Kreis- und Ortsheimatpfleger Karl Hoibl geführte Wanderung entlang der Schwarzen Laber über Bruckdorf zum Tag der offenen Tür des Wasserzweckverbands Viehhausen-Bergmattinger Gruppe. In der Vergangenheit trieben zahlreiche Wasserräder die vielen Mühlen, Sägewerke, Glasschleifereien und Hammerwerke entlang der Schwarzen Laber im Gemeindebereich von Sinzing an und waren Lebensgrundlage für die Bevölkerung. Zwischen Sinzing und Bruckdorf existieren noch einige Zeugen der Vergangenheit, die heute aber hauptsächlich zur Stromerzeugung dienen oder, wie beispielsweise die ehemalige Schnupftabakfabrik der Gebrüder Bernhard, als repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus genutzt werden. Lediglich die Poschenrieder Mühle ist heute noch in Betrieb und eine der wenigen Mühlen, in der heimisches Getreide zu Mehl verarbeitet und in die ganze Oberpfalz geliefert wird.

Wanderstrecke auf der alten Trasse des Allinger Bockerls

Weiter ging es auf der ehemaligen Trasse des Allinger Bockerls, einer nur rund vier Kilometer langen Bahnstrecke zwischen Alling und Sinzing, über die zwischen 1875 und 1967 die Erzeugnisse der Papierfabrik Pustet, der Poschenrieder Mühle oder der Schnupftabakfabrik Bernhard nach Regensburg transportiert wurden. Von Bruckdorf aus führte die Wanderung weiter durch den angrenzenden Forst, vorbei an der jahrhundertealten Möseleiche zur Wasseraufbereitungsanlage am Kühblöß, hoch über der Gemeinde Sinzing.

Der Vorsitzende des Wasserzweckverbands Viehhausen-Bergmattinger Gruppe, Anton Schwindl, und Geschäftsleiter Rudolf Eisenhut führten die Wanderer und andere interessierte Besucher zwischen 13 und 16 Uhr durch die Räumlichkeiten des Hochbehälters und der Wasseraufbereitungsanlage. Dabei erläuterten sie den Weg des qualitativ hervorragenden Trinkwassers von den Brunnen bis zu den Wasserhähnen in der Gemeinde Sinzing, dem Markt Nittendorf, dem Markt Bad Abbach und der Stadt Kelheim. Ein besonderes Augenmerk lag auf der neuen Wasseraufbereitungsanlage mit Aktivkohlefilter, die erst vor wenigen Jahren für 800.000 Euro neu errichtet wurde. Nach vielen interessanten Informationen ging es für die Wandergruppe nun bergab, zurück zum Ausgangspunkt der rund sechs Kilometer langen Wanderung in Sinzing.

 

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